Es ist zwar schon einige Jahre her, dass ich mich mit Schulentwicklung beschäftigt habe, an Aktualität hat das Thema bislang jedoch nicht verloren.
Gemeinsam mit zwei Kolleg_innen hatte ich mehrere Workshops zum Thema „Demokratie in der Schule“ durchgeführt. In diesen Workshops ging es unter anderem darum, zusammen mit den Schüler_innen den Begriff der „Demokratie“ zu entschlüsseln und ein gemeinsames Verständnis von Demokratie zu finden. Außerdem sollten die Schüler_innen überlegen, wie sie sich eine demokratische Schule vorstellen, welche Stärken ihre Schule bereits aufweist und welche konkreten Wünsche sie haben, den Schulalltag weiter zu verbessern.
Auszug aus einem Workshop-Protokoll mit Schüler_innen der 6. Klasse:
Team: „Wisst ihr, was „Demokratie“ ist?“
Schüler: „Alle dürfen mitbestimmen, nicht nur die Hälfte.“
[Anm.: Die Schüler/innen wissen gut Bescheid, da sie gerade „die Griechen“ im Unterricht durchnehmen.]
Team: „Und was bedeutet das noch?“
Schüler: „Diskussionen.“
Schülerin: „Heute werden wir auch ernst genommen. Sonst sind wir ja nur Kinder,
aber hier [im Workshop] nicht.“
In vielen Klassen, die wir besucht hatten, waren die Schüler_innen skeptisch, ob sich Demokratie in der Schule überhaupt umsetzen lässt.
Schüler (9. Klasse): „Unser Lehrer meinte, das ist keine Demokratie, das ist Unterricht.“
Schülerin (11.Klasse): „Es gibt einfach ’ne bestimmte Hierarchie. Und die kann man nicht umwälzen.“
Schülerin (12. Klasse): „Wir können zwar Vorschläge einbringen, aber nach oben hin gibt es so viele Instanzen, dass der Wunsch irgendwann an Wertigkeit verliert. Und dann wird er meistens eh plattgemacht.“
Es gab aber auch optimistische Stimmen:
Schüler (13, Klasse): „Demokratie bedeutet ja nicht, dass man über alles und überall
abstimmen muss.“
Schülerin (12. Klasse): „So lange es diese Unzufriedenheit gibt, lohnt es sich auf jeden
Fall.“
Die meisten Schüler_innen waren bereit, das Vorhaben „wenigstens auszuprobieren“.
Und obwohl es (wie in jedem Prozess) Höhen und Tiefen gab, war die Bilanz des Projekts insgesamt positiv.
Auffallend war, dass in fast allen Klassen der Wunsch nach „mehr Respekt untereinander“ oder einem „besseren Schulklima“ ganz oben auf der Liste stand.
Ich weiß nicht, ob es erwähnenswert ist, aber natürlich hatte auch dieses Projekt nur eine Laufzeit von drei Jahren. Und natürlich waren die drei Jahre genau dann vorbei, als erste Erfolge gerade sichtbar wurden. Wie es heute um die Schulen steht, ob sie das Projekt selber fortgeführt haben oder es im Sande verlaufen ist, kann ich nicht sagen.
Die Jüngsten hatten in ihren Workshops Bilder gemalt. Da der Demokratie-Begriff für kleine Grundschulkinder zu abstrakt ist, hatten sie überlegt, „was sie an der Schule toll finden“ und „was sie an der Schule nicht toll finden“. Die Bilder der Erstklässler sind hier in der Galerie zu sehen: